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GHEE, FLÜSSIGES GOLD

Die Butter köchelt seit Stunden. Exakt 100 Grad. Mal wabert sie, mal schäumt sie. Vorsichtig den Schaum abschöpfen, wieder und wieder, behutsam. Beruhigend. Die Temperatur kontrollieren. Wenn sie zu hoch wird, kristallisiert der Milchzucker am Boden und alles schmeckt wie Karamell Bonbon. Oder das Fett ist einfach überhitzt und wird wertlos in der Heilkunde.

Endlich ist das Butteröl klar. Wie flüssiges Gold, schwer fließt es, duftend.

So rein, dass es Tage bei Zimmertemperatur braucht, bis es etwas fester wird. Alchemie. Aus Butter haben wir Gold gemacht. Aus Streichfett ein medizinisches Produkt des Ayurveda. Mediziniertes Ghee.

Wenn meine kleine Enkelin nicht trinken wollte, habe ich meiner Tochter empfohlen, etwas Ghee ins Trinkwasser zu mischen. Wenn sie einen roten Po in der Windel hatte, empfahl ich , etwas Ghee auf die wunden Stellen aufzutragen. Hatte sie Husten, so konnte man die Brust mit einem Ghee- Wickel warm halten. Hatte sie Schnupfen, etwas Ghee in die Nase und wenn sie nicht schlafen wollte, etwas Ghee an die Fußsohlen. Dann kam die Zeit, wo meine Tochter mich nichts mehr fragte… Aber sie überzeugte sich selbst, dass so ziemlich alles funktionierte!

Im Ayurveda des Nordens Indiens verwenden wir Ghee wie flüssige Liebe. Es ist überall. Und heilt. Es verbindet, versöhnt, polstert, entgiftet, ölt, nährt, beruhigt.

In den letzten Jahrzehnten haben wir in Europa gelernt, dass gesättigte Fette den Cholesterin- Spiegel anheben, dass sie zu Atherosklerose und frühem Herztod führen.

Man hat uns gesagt, dass Rapsöl hingegen gut sei zum Erhitzen. Dass Butter und Eier gefährlich sind. Wir wurden zu Missionaren gegen Schinkenspeck, Crème fraiche und Mascarpone. Sogar die Krankenkassen überlegten, Gefahrenzuschläge für Ernährungsbedingte Erkrankungen zu erheben. Die saturierten Fette verschwanden aus den Küchen. Margarine und Salatöl zogen ein. Fette also, die zum großen Teil raffiniert wurden, nicht mehr naturbelassen sind.

Nicht bedacht hatte man, dass unsere Zellen zu einem großen Teil aus diesen natürlichen  tierischen Fetten großartige Dinge produzieren: Grundsubstanzen für die Hormonsynthese, vor allem  die notwendigen Hormone zur Fruchtbarkeit werden aus Cholesterin hergestellt. Das Östrogen braucht eine ausreichende Menge von Cholesterin.

Die roten Blutkörperchen brauchen gesättigte Fette, um ihre Hülle stabil zu machen. Um Kalzium in die Knochen einbauen zu können, ist ein ausreichender Spiegel an saturierten Fetten notwendig und Bewegung und Sonnenlicht, nicht teure Tabletten.

Dies ist eigentlich auch kein Wunder, wenn wir in unserer Entwicklungsgeschichte etwas zurückgehen zu der Zeit, als nicht die Industrie über die Auswahl der Nahrungsmittel entschied, sondern wir Menschen unseren Nahrungsmitteln hinterzogen. Als Ernährung noch nicht von einem Extrem zum anderen ruderte.

Die Oberfläche der Lunge ist mit einem Surfactant Factor überzogen, der zum großen Teil aus Fetten besteht. Er hält die Oberfläche der Lunge stabil und schützt die Bronchien. Er erleichtert das Atmen und verhindert das Verkleben der Lunge.

Dass unser Gehirn auch eine überaus fettige Masse ist, wissen wir, denn das Fett speichert Energie. Unser Gehirn hat eine beständigen Energiehunger und reagiert sehr empfindlich auf einen Abfall an verfügbaren Kalorien, es rät uns daher, immer Vorräte anzulegen, die manchmal auch auf den Hüften plaziert sind. Die saturierten Fette isolieren im Gehirn und auch in der Peripherie die elektrischen Impulse voneinander, so dass wir nicht ständig gedankliche Kurzschlüsse erleiden oder unsere Gliedmaßen nicht koordinieren können. Fett polstert gegen Stöße ab und hält warm. Auch den Rest des Körpers.

Schlechte Fette hingegen, wie Transfette, welche die Industrie herstellt und in unsere Lebensmittel einschleust, speichern in der Mitte des Körpers gefährliches viszerales Fett. Außerdem drängen Alkohol und Drogen die Leber ungesunde Fettpolster zum Schutz anzulegen. Sowohl gute und als auch schlechte Fette greifen in den Hormonstoffwechsel sehr selbständig ein: So wie das viszerale Fett einen eigenen Stoffwechsel hungrig und gierig unterhält, so sind die guten Fette ebenfalls an allen wichtigen hormonellen Schaltstellen des Körpers dabei und halten uns gesund und fröhlich.

Wenn ich also in meiner Praxis die jungen Frauen anschaue, die schon Mitte 20 an Hormonstörungen leiden, an Blutarmut, stellt sich dann nicht die Frage, ob dieses eine Folge unserer guten Absichten ist? Die Zunahme von Allergien und Asthma eine Mangel an ölenden und befeuchtenden Substanzen? Der Anstieg entzündlicher Darmerkrankungen und das Entstehen von Nahrungsintoleranzen wie Histamin Intoleranz, Fructose Intoleranz, Lactose Intoleranz eine Folge von: Zuviel des Guten?

Jetzt bin ich in Indien und gebe einen Kurs. Wir sitzen auf weichen Polstern. Vor uns steht buntes Ayurveda Essen. Julia hat aus einfachen Dingen in der Küche heilsames appetitliches Essen gekocht. Oben drauf schwimmt ein kleiner goldener See. Ich teile das Ghee aus: Je nach Symptomen der Erkrankung und nach den Zeichen, die jede der Teilnehmerinnen während der Kur zeigt, bestimme ich die Menge. Eine junge Frau mit Asthma und Zysten an den Eierstöcken bekommt 120 ml, eine Frau , die die Nacht durcharbeitet und unter Nervosität und Bandscheibenvorfällen leidet, 180 ml warmes duftendes Ghee. Ein Mann mit einer rheumatischen Erkrankung, die seine Haut hart und unbeweglich werden lässt, 160 ml Ghee.

Die Begeisterung ist in der ersten Runde noch groß, nimmt allerdings kontinuierlich ab, als ich anfange, Ghee auch in die Weingläser zu tun. Aber das müssen wir aushalten, auch die Zweifel aushalten. Der Tag der Zweifel ist zumeist der 3. Tag. Kopfschmerzen und Übelkeit, wie bei einem gut vorbereiteten Party Kater, lähmen die Stimmung. Überall grollt es. Jeder hadert mit sich. Auch ich. Was, wenn…?

Nicht alles, was ein paar tausend Jahre alt ist, ist auch automatisch gut. Wir haben uns verändert. Die Dinge haben sich verändert. Unsere Bedürfnisse und Anforderungen haben sich verändert.

Aber ein paar Stunden später hellt sich die Stimmung auf. Die ersten haben ihr Fett gut verdaut und fühlen sich plötzlich leicht. Warm. Fröhlich. Verändert. Geschmeidig. Eine Frau mit mehreren Bandscheiben Vorfällen sagt, sie habe zum ersten Mal seit 2 Jahren keine Schmerzen mehr.

Angesichts solcher Begeisterung suche ich weiter.

Was ist es? Warum kann das Ghee auf so vielfältige Weise helfen? Zuerst: Es enthält eine ausgewogenen Mischung an Omega 3-6-9. Ähnlich der Muttermilch ist die Zusammensetzung offensichtlich sehr förderlich, um alte, nicht reaktive Fettdepots aus dem Körper zu mobilisieren (die Teilnehmer nehmen bei hochkalorischer ketogener Ernährung im Schnitt 3 kg in 4 Tagen ab, das Gewicht bleibt lange erhalten) Ghee enthält die Vitamine A und E, fettlösliche Vitamine also, die direkt in den Körper eingeschleust wurden. Es stabilisiert die Zellwände und macht die Oberflächen der Gelenke und der Schleimhäute geschmeidig. (Im Ayurveda gehen wir bei bestimmten Erkrankungen der Mucosa von einer Erkrankung im Bereich Trockenheit (VATA) aus. Das Verdauungsfeuer AGNI, eins der Schlüsselthemen des Ayurveda, wird angeregt. Tatsächlich berichten alle Teilnehmer der Kuren über reichlichen Appetit und großes Wärmegefühl! Dies scheint eine ungünstige Verdauungsleistung zu beheben, die zu Nahrungsmittelintoleranzen geführt hat.

Vielleicht kann man es auch einfach nicht beschreiben, vielleicht wird es nicht begreifbar, wenn man es in seine Einzelteile zerlegt, da wir noch so wenig wissen. Vielleicht ist es aber auch das Gefühl, das uns Recht gibt. Das Gefühl sich wieder stabil und geschmeidig zu fühlen, tief zu schlafen und Wärme im Bauch zu spüren? Vielleicht kehren wir wieder soweit in uns zurück, dass wir uns erlauben, uns satt zu fühlen? Zufrieden? Und ein bisschen weiser, denn wir erleben, wie eine gute Nahrung so viele Beschwerden beseitigt, für die wir so viele Ursachen in unserem Alltag gefunden haben, und für die wir meinen, nichts können. In der Tat aber fangen sie genau dort an, wo wir etwas verändern können: bei der Auswahl unserer Nahrungsmittel.

Manchmal schießen wir über’s Ziel hinaus, weil es hier so viel Gutes gibt! So viele Lehren. Hören wir auf uns und probieren wir aus! Ghee ist ein wunderbarer Teil davon. Es schmeckt übrigens am besten, wenn man mit Freunden kocht!

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