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VON DETOX, GREEN SMOOTHIES UND GORILLAMÄRCHEN

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Kein Tag vergeht, an dem mir nicht geraten wird: DETOX!

Nur: die Vorschläge zum Detox weichen bei eingehender Beschäftigung mitunter nicht nur voneinander ab, sondern widersprechen sich in ihren Überzeugungen drastisch: von Nulldiät bis Buttermast, Frischkornbrei bis Smoothie-Leckerei. So ziemlich alles, was wir ohnehin irgendwie für gesund hielten, wird neuerdings umetikettiert. Aus einer stillen Haselnuss wird , je nach Betrachtung, eine Wunderwaffe gegen Zellalterung oder die Ursache einer neuen Heuschnupfen Attacke nach dem Müsli. Mal rangiert sie friedfertig in der veganen Ecke, eingebettet in die radikalfangende Schokolade, mal ziert sie die Paläokost als vermutlich einzige Originalzutat.

Was also ist Detox eigentlich? Es scheint, dass ich mich auf die Suche machen muss, um es zu verstehen, bevor ich mich ihm hingeben kann. Doch gleich zu Anfang drängt sich die Frage auf: Verhält es sich mit dem Detox wie mit vielem anderen, was man betrachtet, angefangen bei der richtigen Religion bis zur richtigen Steuererklärung – ist Detox auch so ein Phänomen, das sich immer mehr auflöst, je näher man ihm kommt?

Der  grundsätzliche Ansatz ist offensichtlich: Detox, Entgiftung , will den Menschen von Gift befreien. Dies kann zum Beispiel über die Nahrungsaufnahme, oder die Verweigerung derselben geschehen. Doch recht schnell stößt man auf das erste Definitionsproblem: Was ist eigentlich Gift? Auf der Suche nach Aufklärung finden wir nichts als mittelalterliche Erklärungsansätze. Das “Gift” wandelt sich chamäleonartig, je nach dem, wer es mir gerade entreißen will. Freie Radikale , Schlacken, Säuren, die Darmflora ist an allem Schuld und die Leber benötigt einen Flush. Nieren werden durchgespült wie alte Flaschen und die Zähne überflüssig. Man entschuldige mein Vergnügen!

Immerhin gibt es eine Gemeinsamkeit der ganzen Detox-Prozeduren: Der Mensch, der Detox will, hat bemerkt, dass es so nicht weitergeht. Es geht um Veränderung. Und die, heißt es besonnen und nach Prüfung der Fakten, soll selbstbewusst und unterstützt durch Fachleute angegangen werden.

Fachleute raten zu Verschiedenem. Ganz oben auf der Liste steht der berühmte Green Smoothie. Schauen wir ihn etwas genauer an, denn wir wissen ja – nicht alles was glänzt, ist Gold.

Western lowland gorilla, France

Obwohl hinreichend belegt ist, dass Mensch und Affe zwar gemeinsame Verwandte haben, sich unsere Wege aber schon früher als angenommen getrennt haben, existiert eine feste Überzeugung, dass die Ernährung eines Gorillas die angemessene für den modernen Menschen wäre. So entstand der Green Smoothie. Interessanterweise sind Schimpansen, die sich gelegentlich auch von Fleisch ernähren und eine beträchtliche Anzahl von Insekten auf dem Speiseplan haben, aus dem Rennen der Vorbilder ausgeschieden.

Der Green Smoothie weist eine große Anzahl von rohen und schwerverdaulichen Blättern auf: Mangold, Spinat, Weizengras. Tendenz bitter. Da unsere Lebensweise zwar gorillaähnlich sozial ist, aber die Umgangsformen Blähungen restriktiv gegenüber stehen, kamen findige Geister auf die Idee, Juicer in der Preiskategorie eines Gebrauchtwagens zu produzieren. Diese schreddern die zwar unverdaulichen Faseranteile klein, jedoch ändert dies nicht viel daran, dass die Darmbakterien dennoch auf sie treffen. Die Erfinder der Schreddermaschinen haben außer Acht gelassen, dass es eine ganz natürliche, kostenfreie und sorgfältige Möglichkeit der Vorverdauung gibt: das Kauen! Beim gründlichen Kauen mischen sich die ersten Verdauungssäfte mit der Nahrung, auch der flüssigen. Allein aus der Ohrspeicheldrüse fließen Verdauungssäfte während des Kauvorgangs, mit denen Kohlehydrate und Proteine gespalten werden. Der Speichel ist auch gut für die Zähne, weil er sie härtet. Ein ausreichender Speichelfluss ist notwendig , um den Zahnschmelz zu schützen.

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Rein von ihrer Zusammensetzung her, von Substanz und biologischer Masse, sind Smoothies eine vollständige Mahlzeit. Eine Mahlzeit, versteht sich, die nicht gekaut und also auch nicht vorverdaut wurde. Auf diese Weise gelangen Substanzen in tiefere Abschnitte des Verdauungssystems, ohne dass vorher eine Aufspaltung in den vorangegangen Abschnitten erfolgten konnte. Es passiert das Unabwendbare. Die Darmflora wird mit Aufgaben überlastet, auf die sie nicht vorbereitet ist.

Ohnehin sollte man sich das Prinzip der Darmflora einmal vor Augen führen. Wir züchten sie mühevoll durch Nahrungsauswahl über Jahre heran. Ein plötzlicher Wechsel in der Ernährung schafft daher nicht Wohlbefinden, sondern stellt für den Körper einen außerordentlichen Stress dar, den er erst einmal verkraften muss. Und Detox-Wunsch ist es doch eigentlich, Stress zu reduzieren.

Einen weiteren Punkt wollen wir nicht unbesprochen lassen. Die Säfte und Presssubstrate haben einen bitteren Beigeschmack. Und da sie so bitter sind, werden sie, ganz im Sinne eines erhöhten Produktabsatzes, schön süß gemacht. Dazu werden Pfirsichmark und Aloesirup oder andere hoch kohlenhydratreiche Extrakte verwendet.

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Süß beruhigt und befriedigt. Das schlechte Gewissen? Eigentlich doch nichts geändert zu haben in unserer schnellen Zeit?

Vielleicht lasse ich das Detox lieber doch noch… bis ich Zeit habe…?

Images: nourishingmealscoogeecatvanityfair

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