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SAUER MACHT LUSTIG

Warum ich gerne mal sauer bin

Viel Begeisterung hat die Säure – Basen Diät in den letzten Jahren mit ihrem Revival hervorgerufen: endlich eine Ernährungsform, bei der man die Produktlisten sauber aus dem  Internet herunterladen kann, deren Erklärungen griffig schwarz-weiss(sauer-basisch) sind, und deren Zusatzprodukte lesbar und auf Deutsch beschriftet sind. Keine unappetitlichen Pilze oder Pflanzennamen , die aus 24 Sanskritsilben oder chinesischen Tuschezeichnungen bestehen: schlicht “Basenpulver” steht auf dem Päckchen. Denn Basen, die braucht der Körper, wird erklärt. Alles, was dagegen Säure im Körper produziert, wird als eklig und krankheitserregend abgestempelt.

Patienten kommen in die Praxis mit ihrem erarbeiteten Säure-Basen–Ernährungs-Wissen und das, was sie sagen, klingt so wissenschaftlich, dass man mit ihnen gar nicht ernsthaft über die Falschmeldung in diesem Ernährungssystem sprechen kann. Es erinnert an unseren Chemie-Unterricht, will rationalen Antworten auf unsere wachsenden Ernährungsängste geben.

Gegen Wissenschaft kommt man in der Naturheilkunde ja eigentlich nicht an, zumal unsere Methoden als Naturheilkundler sowieso als unwissenschaftlich gelten. Damit wir wenigstens ein bisschen im Licht stehen, haben den Begriff  ”Erfahrungswissenschaft“ geprägt. Und ich deklariere: Auch die Säure-Basen-Diät ist eine Erfahrungswissenschaft. Ich möchte sie besser unter all die anderen mehr oder weniger alten und neuen Versuche eingliedern, den Menschen wieder mit seinen ursprünglichen Bedürfnissen zu versöhnen: Essen, Schlafen, Lieben. Wobei die meisten Menschen sich hauptsächlich um ihre Ernährung zu kümmern scheinen. Wie wichtig Schlafen und Liebe für unsere Balance sind, wird neben all den Ernährungsversprechen verdrängt.

Wenden auch wir uns der Ernährung zu:

Die gesamte Flüssigkeitsmenge unseres Körpers beträgt ca. 70% unseres Körpergewichts – das entspricht ungefähr der Relation von Wasser zu Landmasse unseres Planeten Erde. Die Flüssigkeiten in unseren Zellen machen ca 55% unseres Gewichts aus. Eine gute Verdauung garantiert, dass unsere Zellen, und die Flüssigkeiten, die unsere Zellen umspülen, ausreichend mit Elektrolyte versorgt werden.

Wenn Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Elektrolyten und Nährstoffen eintreten, so entstehen folglich Ungleichgewichte von wichtigen Mineralien wie Sodium (Salze), Pottasche, Magnesium und Kalzium. Diese Mineralien haben einen besonderen Anteil an den Oxidierungsprozessen, die ständig in unserem Körper stattfinden und am Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Unablässig werden wir also innerlich ozeangleich umspült und gereinigt. Wenn jetzt das Flüssigkeitssystem unzureichend oder aber zu reichlich mit bestimmten Elektrolyten, Nährstoffen oder Sauerstoff aufgefüllt ist, so können die Zellen nicht richtig funktionieren und beginnen zu sterben. Mineralien wie Magnesiumbilden die Grundlage der Säurepufferung, Wasserstoffin hohen Konzentratioen die Grundlage der Säuren.

Säure ist ein wichtiger Faktor in unserem Körperinneren, da Krankheitserreger im angesäuerten Milieu schlechte Überlebenschancen haben. Insbesondere Pilze und schädliche Bakterienstämme in Haut, Schleimhaut und Darm profitieren von einer eher basischen Stoffwechsellage.

Je mehr gelöste Mineralien(Basen) wir also aufnehmen, umso eher gerät unser Organismus in eine Lage mangelnder Abwehr. Nehmen wir zu viel an Säure auf, geschieht hingegen nicht so wirklich viel – die Säure wird mit körpereigenen Mineralien gepuffert und das war’s. Die meiste Säure bildet unser Körper ohnehin selbst: als Lactatsäure durch muskuläre Bewegung! Und durch Atmung puffern wir unseren Körper am meisten, da Kohlensäure abgeatmet wird. Und Atmen und Bewegung sind wichtig für unser inneres Gleichgewicht, eigentlich die wirkliche Basis unseres Säure-Basen Haushalts. Deshalb bin ich gerne mal ein bisschen sauer.

Also ist das Ernährungsdogma Säure-Basen Diät  verzwickter als gedacht: Sauer brauchen wir, aber ein bisschen basisch auch, nur ist das mit Säure-Basen-Diät-Ernährungsrichtlinien nicht allein zu erreichen, sondern mit all dem, was Menschen schon immer getan haben: richtig Essen, richtig Lieben, richtig Schlafen.


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